Migrationsrat wird Träger für unsere geplante Konferenz

Das Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen freut sich, dass der Migrationsrat Berlin-Brandenburg uns als Trägerverein für die geplante Konferenz unterstützt!

Im letzten Newsletter des MRBB haben wir uns folgendermaßen vorgestellt:

“Zugangsbarrieren zu kulturellen Angeboten und Konzeptionen niedrigschwelliger Kulturvermittlung” lautete der Untertitel der Fachtagung “Mind the Gap”, die Anfang 2014 am Deutschen Theater Berlin stattfand. Über “Zugangsbarrieren” zu sprechen ist ja eigentlich eine gute Sache, aber was genau ist unter “niedrigschwelliger Kulturvermittlung” zu verstehen, fragten wir uns, als wir ein paar Monate zuvor den Veranstaltungsflyer in der Hand hielten. Also schauten wir genauer hin.

Wir – das war damals noch eine lose Gruppe von Kulturschaffenden und -wissenschaftler_innen, die in unterschiedlichen Zusammenhängen (Jugendtheaterbüro Berlin, Bühnenwatch, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland u.a.) aktiv war. Verbindendes Element unserer gemeinsamen Arbeit war die Sichtbarmachung von Diskriminierung im Kulturbereich. Also eben jenen “Zugangsbarrieren”, von denen die Tagung handeln sollte – so dachten wir zunächst. Bei genauerer Betrachtung wurde deutlich, dass sich die Ansätze grundsätzlich unterschieden. In unserer Arbeit richten wir den Blick auf die Ausschlüsse, die durch eine monokulturelle Programmgestaltung und Personalpolitik von Kulturinstitutionen produziert werden. Die Veranstalter_innen hingegen sahen -zu unserer Überraschung- das Problem bei denjenigen, die nicht einer weißen, bildungsbürgerlichen Mitte angehören und schlugen vor, durch “niedrigschwellige Kulturvermittlung” Barrieren bei diesen “Bevölkerungsgruppen” zu beheben.

Also entschieden wir uns, -trotz fehlender Einladung- der Veranstaltung einen Besuch abzustatten und gleich zu Beginn unsere Fragen kund zu tun. Hier ist ein Video der Rede zu sehen, die wir bei unserer Intervention gehalten haben: https://mindthetrapberlin.wordpress.com/intervention-im-dt/

Seitdem sind wir, mittlerweile nennen wir uns das Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen, zu zahlreichen Veranstaltungen eingeladen worden, die sich je nach Kontext und politischer Ausrichtung mit “Interkulturalität”, “Diversität”, “Vielfalt” oder ähnlichem im Kultursektor beschäftigen. In den meisten Fällen ließen sich Bemühungen erkennen, im Rahmen der Veranstaltung Ausschlüsse nicht zu wiederholen, sondern zumeist – mal mehr, mal weniger – jene Kulturschaffenden zu Wort kommen zu lassen, die von den vielfältigen, strukturellen Diskriminierungen betroffen sind.

All diese Tagungen, Konferenzen und Symposien lassen auf ein Umdenken in der deutschsprachigen Kulturlandschaft schließen. Es gibt also Hoffnung, so könnte man meinen, dass die Realität unserer vielfältigen Gesellschaft auch endlich Teil des staatlich finanzierten Kulturbereichs werden wird. Die Praxis sieht jedoch weiterhin anders aus!

Die allmähliche Einsicht, dass grundlegende Veränderungen im Kulturbetrieb notwendig sind, rührt aber nicht nur daher, dass auch Kulturschaffenden in etablierten Institutionen klar wird, dass ihre Theater und Museen schon längst nicht mehr -vielleicht aber auch noch nie wirklich- die gesellschaftliche Vielfalt und unterschiedliche soziale Realitäten abbilde(te)n, weder im Programm noch in der Belegschaft.

Diese graduelle Wendung ist vor allem auch auf die zahlreichen und lang währenden Kämpfe von marginalisierten Künstler_innen und Communities zurückzuführen. Für diese stand im Vordergrund, sich einen Platz im Kulturbetrieb zu erstreiten und eigene Formen von (Selbst-)Repräsentation zu entwickeln. Gleichzeitig ging es auch immer darum, stereotypisierende kulturelle Darstellungsmuster zurückzuweisen.

Um über diskriminierungskritische Kulturproduktion nachzudenken, braucht es Raum zum Denken, zum Ver-Lernen, zum Neu- und Wieder-Erfinden. Raum für Visionen, in dem vornehmlich jene Perspektiven zu Wort kommen, die sonst selten gehört werden, weil ihnen die Relevanz abgesprochen wird. (“Übertreib doch nicht”, “Das ist doch jetzt nicht so schlimm”, “Sei mal nicht so sensibel”, “Darum geht es doch hier gar nicht”…).

Diskriminierung wirkt nicht nur in eine Richtung, sondern in zahlreiche und das zugleich. Rassismus, Sexismus, Diskriminierung aufgrund von Behinderung, sexueller Orientierung oder Religion etc. sind nicht unabhängig voneinander zu denken, sondern in vielfacher Art und Weise miteinander verwoben. Um die tiefgreifenden Verflechtungsformen diskriminierender Strukturen im Kulturbetrieb benennen zu können, muss es also Orte geben an denen es möglich ist, die verschiedenen Variationen von Ausschlüssen zusammen zu denken. Dafür benötigen wir einen Austausch von Selbstorganisationen, um gemeinsame diskriminierungskritische Ansätze auszuhandeln und Strategien zu entwickeln, die Ausschlussmechanismen sichtbar machen und abbauen können. Die Konferenz, die das Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen im Herbst 2015 organisieren will, soll eben diesen Raum schaffen. Sie markiert den Anfang eines gemeinsamen Denk- und Erfindungsprozesses.

Mehr Informationen und Kontakt unter: https://mindthetrapberlin.wordpress.com/

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