Projektmitarbeiter_in Berlin für Presse- & Öffentlichkeitsarbeit gesucht

Für eine Konferenz über diskriminierungskritische Kulturpraxis sucht das Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen eine_n Mitarbeiter_in, die_der eigenständig den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Betreuung von Pressekontakten und Medienpartnerschaft, Newsletter, Pressespiegel) übernehmen kann. Wir suchen eine Person, die sich aus der eigenen Betroffenheit heraus u.a. mit den Themen Rassismus,  Sexismus, Klassismus, Ableism beschäftigt und vorzugsweise Kenntnisse aktueller kulturpolitischer Diskurse hat.

Die Konferenz findet am 10. Und 11. Oktober 2015 an der Universität der Künste Berlin statt. Veranstalter_innen sind die Initiative Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen mit der Studierendenorganisation Interflugs ASV von der Universität der Künste sowie dem Jugendtheaterbüro Berlin in der Trägerschaft des Migrationsrates Berlin Brandenburg.

Die Beschäftigung erfolgt als Werkvertrag und wird mit 800 € vergütet. Der Projektzeitraum ist ab sofort bis Ende Oktober 2015. Bei Interesse schick bitte eine formlose Email und einen kurzen Lebenslauf an mindthetrapberlin@gmail.com

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Expert_innen aus der Praxis gesucht! – Open Call

Liebe Community(ies),

das Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen/Mind the Trap plant eine Konferenz zum Thema Nachhaltigkeit, Unabhängigkeit und politischer Verantwortung in der Kunst- und Kulturarbeit.

Dafür suchen wir noch Gruppen und Einzelpersonen, die sich mit diesen Themen theoretisch oder praktisch insbesondere vor dem Hintergrund intersektionaler Machthierarchien auseinandersetzen, und Lust haben, sich mit einem Beitrag – z.B. in Form eines Workshops oder Inputs – zu beteiligen.

Die Konferenz soll vor allem all jene vernetzen, die sich aus der öffentlichen Förderstruktur und etablierten Institutionen ausgeschlossen sehen, bzw. die sich mit ihrer Alltagsrealität im kulturellen Mainstream nicht wiederfinden.

Wir möchten gemeinsam darüber nachdenken, wie alternative Netzwerke und Strategien aussehen könnten, die kritische Kulturarbeit ermöglichen und dann mit der Gestaltung erster Konzepte beginnen.
Da wir noch in der Fundraising-Phase unseres Projektes sind, können wir noch keine konkreten Angaben über die Honorierung machen, möchten aber grundsätzlich alle Beitragenden bezahlen. Ihr könnt euch auch gerne an uns wenden, wenn ihr generell Interesse am Projekt habt. Wir möchten so viele kritische Menschen wie möglich zusammenbringen.
Die Tagung soll am 10. Oktober 2015 in den Räumlichkeiten der UdK Berlin stattfinden.

Bitte schreibt uns an mindthetrapberlin@gmail.com

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Paradigmenwechsel mit Hindernissen – Diversität in der deutschen Kulturlandschaft, eine Bestandsaufnahme

Im September 2014 war das BKK zu Gast bei dem Fachgespräch “global* inter* trans* KULTUR” – kulturelle Räume und Diversitäten im Fokus”, das die Werkstatt 3 in Hamburg organisiert hatte. Nun ist unser Beitrag online:

Paradigmenwechsel mit Hindernissen – Diversität in der deutschen Kulturlandschaft, eine  Bestandsaufnahme

Lisa Scheibner & Bahareh Sharifi vom Bündnis kritischer Kulturpraktiker*innen
 
Seit unserer Intervention “Mind the Trap” im Januar 2014 im Deutschen Theater Berlin sind wir, das Bündnis kritischer Kulturpraktiker*innen, zu zahlreichen Veranstaltungen eingeladen worden, die sich je nach Kontext und politischer Ausrichtung mit “Interkulturalität”, “Diversität”, “Vielfalt” oder ähnlichem im Kultursektor beschäftigen. In den meisten Fällen lassen sich Bemühungen erkennen, im Rahmen der Veranstaltung Ausschlüsse nicht zu wiederholen, sondern zumeist – mal mehr, mal weniger – jene Kulturschaffenden zu Wort kommen zu lassen, die von den vielfältigen, strukturellen Diskriminierungen betroffen sind. All diese Tagungen, Konferenzen und Symposien lassen auf einen Paradigmenwechsel in der deutschsprachigen Kulturlandschaft schließen. Es gibt also Hoffnung, so könnte man meinen, dass die Reali tät unserer diversitären Gesellschaft auch endlich Teil der geförderten kulturellen Repräsentation werden wird.
Die Praxis sieht jedoch weiterhin anders aus!
 
Die allmähliche Einsicht der Notwendigkeit grundlegender Veränderungen im Kulturbetrieb rührt aber nicht nur daher, dass auch Kulturschaffenden in etablierten Institutionen klar wird, dass ihre Theater und Museen schon längst nicht mehr -vielleicht aber auch noch nie wirklich- die gesellschaftliche Vielfalt und unterschiedliche soziale Realitäten abbilde(te)n, weder im Programm noch in der Belegschaft.
 
Diese graduelle Wendung ist vor allem auch auf die zahlreichen und lang währenden Kämpfe von marginalisierten Künstler*innen und Communities zurückzuführen. Für diese stand im Vordergrund, sich einen Platz im Kulturbetrieb zu erstreiten und eigene Formen von (Selbst-)Repräsentation zu entwickeln. Gleichzeitig ging es auch immer darum, stereotypisierende kulturelle Darstellungsmuster zurückzuweisen.
 
Steter Tropfen… – Proteste, die den Weg bereitet haben
 
Längst vergessen sind inzwischen jene türkischen Künstler*innen, die in den 1970er Jahren in Berlin-Kreuzberg im Bethanien -mittlerweile ein renommiertes Künstler*innenhaus- ihre Ateliers hatten. Die öffentliche Benennung von Rassismus im Theaterraum begann auch nicht erst 2012 mit dem Protest der Gruppe
“Bühnenwatch”, sondern fußt schon in der Bühnenbesetzung der jüdischen Gemeinde gegen den Antisemitismus des Fassbinder-Stückes “Der Müll, die Stadt und der Tod” im Jahr 1985 und zahlreichen anderen Protesten gegen rassistische Darstellungen auf deutschen Bühnen (bereits 2003 protestierte die ISD -Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland- gegen den rassistischen Sprachgebrauch der Berliner Volksbühne).
 
So steht unsere Intervention also in einer langen Reihe von Kämpfen und Protesten, die versuchen, die bestehende, kulturelle Deutungshoheit aus den Angeln zu heben und zur Disposition zu stellen. Die deutsche Kulturlandschaft erweist sich aber leider als sehr kritikresistent. Statt Perspektiven marginalisierter Communities einen Platz im Programm zu geben, werden diesen immer wieder Themen entlehnt, jedoch ohne gleichzeitig auch die entsprechenden Alltagsexpert*innen zu beschäftigen und deren Hinweise ernst zu nehmen. Das zeigt sich auch in der freien Szene.
 
Wir konnten kürzlich erleben, wie eine Kunstaktion gegen die europäische Asylpolitik eine überwältigende mediale Aufmerksamkeit erhielt. Bezeichnenderweise war dies eine Aktion, die ohne die aktive Einbindung von Geflüchteten organisiert war. In den letzten drei Jahren haben Refugees mit ihren selbstorganisierten Protesten öffentliches Bewusstsein für die verheerenden Auswirkungen der Asylgesetzgebung geschaffen. Eine der Errungenschaften dieser Proteste war, dass sich Geflüchtete selbst Gehör verschaffen konnten und erstmals von einer breiten Öffentlichkeit als politische Akteur*innen wahrgenommen wurden. Ein Projekt, das diese Perspektive unberücksichtigt lässt, marginalisiert die Selbstrepräsentation der Refugee- Aktivist*innen und weist ihnen eine passive Rolle zu. Dabei haben die Macher*innen der Kunstaktion letztlich auch von der Aufmerksamkeit profitiert, die die Refugees zuvor für das Thema Asylrecht erstritten hatten.
 
Passend dazu wurde der Plan, in der besetzten, leer stehenden Schule in der Ohlauerstraße in Berlin-Kreuzberg ein selbstorganisiertes und selbstverwaltetes Kulturzentrum zu gründen, weder von der Politik realisiert, noch von der Presse thematisiert.
 
Wer wird wahrgenommen und wohin geht eigentlich das Geld?
 
Wir fragen uns auch, warum ein politisches Jugendtheaterfestival wie das Festiwalla, das von Jugendlichen und jungen Erwachsenen of Color für Jugendliche konzipiert und veranstaltet wird, und aktuelle Bezüge zu sozialen und zeitgeschichtlichen Fragen wie Gentrifizierung und Krieg stellt, eine so geringe Finanzierung bekommt, dass es u.a. auf Crowdfunding angewiesen ist. Hingegen finden regelmäßig finanziell gut ausgestattete ‘wissenschaftliche’ Tagungen und Veranstaltungen statt, bei denen hypothetisch erörtert werden soll, wie eine Hinführung zur politischen und kulturellen Bildung für Jugendliche aus einkommensschwachen Haushalten aussehen kann. Die Tagung “Mind the Gap”, gegen die sich unsere Intervention richtete, ist ein Beispiel hierfür.
 
Kultur ist ein lebendiger Prozess, der nicht am Reißbrett entworfen werden kann, sondern von seinen Akteur*innen gestaltet wird. Diese sind es auch, die mit Hilfe von guter Förderung soziale Lebensrealitäten benennen, und künstlerisch Utopien entwickeln können.
 
Es scheint aber weiterhin eine Kultur des-Redens-über, statt -mit, zu herrschen. Emanzipative Projekte der Selbstermächtigung finden entweder keine Beachtung oder können aufgrund der schwachen Finanzierung nur unter sehr schwierigen Bedingungen realisiert werden.
 
Warum wird diesen Ressourcen, diesem Wissen kein Raum gegeben? Warum wird die Kreativität selbstorganisierter Projekte von Organisationen und Geldgeber*innen nicht begeistert unterstützt? Etwa weil diese Projekte unangenehme Fragen aufwerfen, zu denen sich die Verantwortlichen in Kulturszene und Politik gerne in sicherer Distanz halten, diese womöglich auch ihre eigene, etablierte Situation verändern könnten?
 
Wir fordern daher eine institutionelle und personelle Umstrukturierung von öffentlich finanzierten Kulturbetrieben und eine damit einhergehende Umverteilung finanzieller Ressourcen. Wir fordern eine verstärkte Besetzung von Vertreter*innen marginalisierter Communities in Entscheidungspositionen von Gremien, in denen über staatliche Kulturförderung entschieden wird. Und wir fordern eine langfristige Förderung von Räumen, in denen auch jenseits eurozentristischer ästhetischer Traditionen Kunstproduktionen entwickelt werden können
 
Strategien der Selbstermächtigung entwickeln
 
Um über diskriminierungskritische Kulturproduktion nachzudenken, braucht es Raum zum Denken, zum Ver-Lernen, zum Neu- und Wieder-Erfinden. Raum für Visionen, in dem vornehmlich jene Perspektiven zu Wort kommen, die sonst selten gehört werden, weil ihnen die Relevanz abgesprochen wird. (“Übertreib doch nicht”, “Das ist doch jetzt nicht so schlimm”, “Sei mal nicht so sensibel”, “Darum geht es doch hier gar nicht”…). Diskriminierung wirkt nicht nur in eine Richtung, sondern in zahlreiche und das zugleich. Rassismus, Sexismus, Ableismus, Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung und Religion etc. sind nicht unabhängig voneinander zu denken, sondern in vielfacher Art und Weise miteinander verwoben. Um die tiefgreifenden Verflechtungsformen diskriminierender Strukturen im Kulturbetrieb benennen zu können muss es also Orte geben an denen es möglich ist, die verschiedenen Variationen von Ausschlüssen zusammen zu denken. Dafür muss es einen Austausch von Selbstorganisationen geben, um gemeinsame diskriminierungskritische Ansätze auszuhandeln und zu entwickeln, die exkludierende Mechanismen sichtbar machen und abbauen können. Die Konferenz, die das Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen organisieren will, soll eben diesen Raum schaffen. Sie markiert den Anfang eines gemeinsamen Denk- und Erfindungsprozesses.
 
Denn bevor Selbstorganisationen marginalisierter Gruppen in etablierten Institutionen auf Augenhöhe mitarbeiten können, sind Zwischenschritte nötig, um kollektiv oder gemeinsam Strategien zu erarbeiten, wie dies tatsächlich funktionieren kann. Als freie Gruppe, die mit einer Institution zusammenarbeitet oder als Einzelperson innerhalb einer etablierten Kulturstätte ist es oft schwierig, teilweise unmöglich, die eigenen Gedanken und Konzepte zu artikulieren und umzusetzen, und dafür auch den Rahmen gestalten zu können. Die Marginalisierung setzt sich innerhalb althergebrachter Strukturen fort, selbst wenn alle Beteiligten ‘das Beste’ wollen.
 
Was brauchen wir also, wonach suchen wir?
 
Wir brauchen Ressourcen, die ein professionelles Arbeiten ermöglichen. Wir brauchen Vorbereitung und vor allem Vernetzung verschiedener marginalisierter Gruppen, um intersektional voneinander zu lernen und sich gegenseitig unterstützen zu können, statt selbst Ausschlüsse zu wiederholen. Auf unserer im Herbst 2015 geplanten Konferenz wollen wir aktivistisches (Alltags-)Wissen bündeln, Erfahrungen auswerten, Ideen erarbeiten, Strategien diskutieren und daraus ein Handwerkszeug zusammenstellen, mit dem sich die verkrusteten Strukturen im Kulturbetrieb tatsächlich aufbrechen lassen, um Raum für Neues zu schaffen.

Migrationsrat wird Träger für unsere geplante Konferenz

Das Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen freut sich, dass der Migrationsrat Berlin-Brandenburg uns als Trägerverein für die geplante Konferenz unterstützt!

Im letzten Newsletter des MRBB haben wir uns folgendermaßen vorgestellt:

“Zugangsbarrieren zu kulturellen Angeboten und Konzeptionen niedrigschwelliger Kulturvermittlung” lautete der Untertitel der Fachtagung “Mind the Gap”, die Anfang 2014 am Deutschen Theater Berlin stattfand. Über “Zugangsbarrieren” zu sprechen ist ja eigentlich eine gute Sache, aber was genau ist unter “niedrigschwelliger Kulturvermittlung” zu verstehen, fragten wir uns, als wir ein paar Monate zuvor den Veranstaltungsflyer in der Hand hielten. Also schauten wir genauer hin.

Wir – das war damals noch eine lose Gruppe von Kulturschaffenden und -wissenschaftler_innen, die in unterschiedlichen Zusammenhängen (Jugendtheaterbüro Berlin, Bühnenwatch, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland u.a.) aktiv war. Verbindendes Element unserer gemeinsamen Arbeit war die Sichtbarmachung von Diskriminierung im Kulturbereich. Also eben jenen “Zugangsbarrieren”, von denen die Tagung handeln sollte – so dachten wir zunächst. Bei genauerer Betrachtung wurde deutlich, dass sich die Ansätze grundsätzlich unterschieden. In unserer Arbeit richten wir den Blick auf die Ausschlüsse, die durch eine monokulturelle Programmgestaltung und Personalpolitik von Kulturinstitutionen produziert werden. Die Veranstalter_innen hingegen sahen -zu unserer Überraschung- das Problem bei denjenigen, die nicht einer weißen, bildungsbürgerlichen Mitte angehören und schlugen vor, durch “niedrigschwellige Kulturvermittlung” Barrieren bei diesen “Bevölkerungsgruppen” zu beheben.

Also entschieden wir uns, -trotz fehlender Einladung- der Veranstaltung einen Besuch abzustatten und gleich zu Beginn unsere Fragen kund zu tun. Hier ist ein Video der Rede zu sehen, die wir bei unserer Intervention gehalten haben: https://mindthetrapberlin.wordpress.com/intervention-im-dt/

Seitdem sind wir, mittlerweile nennen wir uns das Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen, zu zahlreichen Veranstaltungen eingeladen worden, die sich je nach Kontext und politischer Ausrichtung mit “Interkulturalität”, “Diversität”, “Vielfalt” oder ähnlichem im Kultursektor beschäftigen. In den meisten Fällen ließen sich Bemühungen erkennen, im Rahmen der Veranstaltung Ausschlüsse nicht zu wiederholen, sondern zumeist – mal mehr, mal weniger – jene Kulturschaffenden zu Wort kommen zu lassen, die von den vielfältigen, strukturellen Diskriminierungen betroffen sind.

All diese Tagungen, Konferenzen und Symposien lassen auf ein Umdenken in der deutschsprachigen Kulturlandschaft schließen. Es gibt also Hoffnung, so könnte man meinen, dass die Realität unserer vielfältigen Gesellschaft auch endlich Teil des staatlich finanzierten Kulturbereichs werden wird. Die Praxis sieht jedoch weiterhin anders aus!

Die allmähliche Einsicht, dass grundlegende Veränderungen im Kulturbetrieb notwendig sind, rührt aber nicht nur daher, dass auch Kulturschaffenden in etablierten Institutionen klar wird, dass ihre Theater und Museen schon längst nicht mehr -vielleicht aber auch noch nie wirklich- die gesellschaftliche Vielfalt und unterschiedliche soziale Realitäten abbilde(te)n, weder im Programm noch in der Belegschaft.

Diese graduelle Wendung ist vor allem auch auf die zahlreichen und lang währenden Kämpfe von marginalisierten Künstler_innen und Communities zurückzuführen. Für diese stand im Vordergrund, sich einen Platz im Kulturbetrieb zu erstreiten und eigene Formen von (Selbst-)Repräsentation zu entwickeln. Gleichzeitig ging es auch immer darum, stereotypisierende kulturelle Darstellungsmuster zurückzuweisen.

Um über diskriminierungskritische Kulturproduktion nachzudenken, braucht es Raum zum Denken, zum Ver-Lernen, zum Neu- und Wieder-Erfinden. Raum für Visionen, in dem vornehmlich jene Perspektiven zu Wort kommen, die sonst selten gehört werden, weil ihnen die Relevanz abgesprochen wird. (“Übertreib doch nicht”, “Das ist doch jetzt nicht so schlimm”, “Sei mal nicht so sensibel”, “Darum geht es doch hier gar nicht”…).

Diskriminierung wirkt nicht nur in eine Richtung, sondern in zahlreiche und das zugleich. Rassismus, Sexismus, Diskriminierung aufgrund von Behinderung, sexueller Orientierung oder Religion etc. sind nicht unabhängig voneinander zu denken, sondern in vielfacher Art und Weise miteinander verwoben. Um die tiefgreifenden Verflechtungsformen diskriminierender Strukturen im Kulturbetrieb benennen zu können, muss es also Orte geben an denen es möglich ist, die verschiedenen Variationen von Ausschlüssen zusammen zu denken. Dafür benötigen wir einen Austausch von Selbstorganisationen, um gemeinsame diskriminierungskritische Ansätze auszuhandeln und Strategien zu entwickeln, die Ausschlussmechanismen sichtbar machen und abbauen können. Die Konferenz, die das Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen im Herbst 2015 organisieren will, soll eben diesen Raum schaffen. Sie markiert den Anfang eines gemeinsamen Denk- und Erfindungsprozesses.

Mehr Informationen und Kontakt unter: https://mindthetrapberlin.wordpress.com/

New York, 1986: Symposium zum Thema ‘nicht-traditionelles Casting’

“Can a black actor be convincing in the title role of Shakespeare’s “Henry V”? Can an Asian or Hispanic actor be believable as part of an Anglo family in Tennessee Williams’ “Cat on a Hot Tin Roof”? Can any “ethnic” actor assimilate into the upper-crust, WASPish society portrayed in Philip Barry’s “The Philadelphia Story”?”

Im November 1986 trafen sich in New York 500 professionelle Theaterschaffende, um zu diskutieren, was dagegen getan werden kann, dass selbst in einer Stadt mit überwiegend Schwarzer und hispanischer Bevölkerung fast nur weiße Schauspieler_innen auf der Bühne stehen, während Schauspieler_innen of Color/Schwarze Schauspieler_innen nicht genug Rollen bekommen.

Die Fragen, Bedenken und Antworten sind -wenig überraschend, aber eben 30 Jahre früher- die selben, die wir derzeit in der deutschsprachigen Theaterszene diskutieren. Gefordert wurde eine ‘Evolution des Denkens’. Ja. Es ist höchste Zeit.

“We have to try to break down the walls that have been shutting so many of us out.”

Hier geht es zum vollständigen Artikel im Archiv der Los Angeles Times.

Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen trifft Jugendtheaterbüro Berlin!

SAVE THE DATE! Öffentliche Veranstaltung, BKK trifft JTB auf dem FESTIWALLA 2014:

Samstag, 29.11.2014, 16-18 Uhr, Haus der Kulturen der Welt

Wie müsste eine Konferenz aussehen, damit Jugendliche daran teilnehmen wollen? Welche Themen sind interessant? Welche Formate wünschen wir uns? Wen laden wir ein?

Das Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen ist dabei, eine Konferenz zu organisieren, die sich aus diversen Perpektiven kritisch mit Zugangsbarrieren zum etablierten Kulturbetieb befasst. Dazu möchten wir schon in der Planungsphase unterschiedliche Perspektiven in die Vorbereitung mit einbeziehen, damit sich möglichst viele in Programm und Gestaltung der Tagung wiederfinden und eingeladen fühlen und damit die Konferenz in unterschiedlichsten Richtungen so barrierearm wie möglich ist.

Dazu wird es mehrere, öffentliche Veranstaltungen geben. Den Beginn stellt ein Workshop auf dem FESTIWALLA 2014 im Haus der Kulturen der Welt dar. Die Jugendlichen vom Jugendtheaterbüro Berlin haben uns eingeladen, in einer öffentlichen KulTür auf! Ratssitzung unser bisheriges Konferenzkonzept gemeinsam zu diskutieren, um uns als Junger Rat der Künste zu beraten.

Seid mit dabei!

Ort: Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin

Zeit: Samstag, 29.11.2014, 16-18 Uhr

Die Veranstaltung ist kostenlos und mit dem Rollstuhl zugänglich.

Mind the Trap im migrazine.at

Veröffentlicht im migrazine.at #12 im Juni 2014

Mind the Trap! – In Berlin leistet das Bündnis kritischer Kulturpraktiker*innen Entwicklungshilfe für den deutsch-deutschen Kulturbetrieb

 

Berlin – ein Ort, an dem viele künstlerische und politische Diskurse angestoßen, weitergeführt und in Frage gestellt werden. Ein Ort, wo kleine Menschengruppen Großes bewirken können. Wie beispielsweise die protestierenden Geflüchteten am Oranienplatz, deren Widerstand für viele, ob Geflüchtete oder sich solidarisierende Menschen, ein ermächtigendes Vorbild ist. Allerdings ahnt mensch zuvor meistens nicht, dass Widerstandsmomente zu Widerstandswellen werden können. Auch uns vom Bündnis kritischer Kulturpraktiker*innen ist der Widerstand der Geflüchteten vom Oranienplatz ein Vorbild – so sehr, dass auch wir nicht mehr alles hinnehmen wollen. Dennoch haben wir nicht geahnt, welch große Medienresonanz und wie zahlreiche Solidaritätsbekundungen wir bekommen würden, als wir bei einer Tagung intervenierten, bei der wir weder eingeladen noch, wie sich später herausstellte, wirklich erwünscht waren.

Falle “niederschwellige Kulturvermittlung”

Anfang 2014 fand am Deutschen Theater Berlin die Tagung “Mind the Gap” statt, die sich den “Zugangsbarrieren zu kulturellen Angeboten und Konzeptionen niedrigschwelliger Kulturvermittlung” (siehe Einladungsfolder hier) widmete. In der Ankündigung begründeten die Veranstalter*innen das Thema ihrer Tagung damit, dass “gerade junge Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund aus nicht-westlichen Herkunftsländern, Menschen mit Behinderung und viele Menschen mit geringen Einkünften klassische Kultureinrichtungen besonders selten” besuchen würden.

Als wir den Flyer in den Händen hielten, stellten wir uns die Frage, nach welchen Gesichtspunkten und wie präzise die Begriffe und Konzepte ausgewählt waren, die von den Tagungsleiter*innen verwendet wurden. So wurden im gesamten Kontext und auch im Rückblick zur besagten Tagung Begriffe wie “Milieu”, “Hochkultur”, “Kunst”, “Migrationshintergrund” oder “Behinderung” verwendet, ohne zu problematisieren, dass es sich hierbei um Differenz festschreibende Kategorien handelt. Fragen nach der Wirkungsmächtigkeit sozialer Konstruktionen von Class, Gender, Race und Ability und den daraus resultierenden Ausschlussmechanismen wurden dabei nicht gestellt. Vielmehr wurde das Problem bei denjenigen gesucht, die nicht einer gesellschaftlichen Norm entsprechen, und es wurden Überlegungen angestellt, wie durch “niedrigschwellige Kulturvermittlung” Barrieren bei diesen “Bevölkerungsgruppen” zu beheben seien.

Deutsche Hochkultur – ein monokulturelles Biotop

Der Ansatz der “niedrigschwelligen Kulturvermittlung” geht per se von einem Defizit bei einzelnen Bevölkerungsgruppen aus, indem ihnen Unkenntnis oder Ferne zu Kunst, Kultur und Bildung unterstellt wird. Einerseits werden also sämtliche Individuen aus unterschiedlichsten Zusammenhängen, Bezügen und Verortungen als eine “Gruppe” festgeschrieben und “kunstaffinen”, “gebildeten” Besucher*innen von Kultureinrichtungen gegenübergestellt. Andererseits wird “niedrigschwellige Kulturvermittlung” als Heilmittel zur Überwindung der “Gaps” vorgeschlagen. Weder das Tagungsprogramm noch die Auswahl der Referent*innen legen nahe, dass der inhaltliche und strukturelle Aufbau von Kulturinstitutionen, der bestimmte Exklusionen (re)produziert, infrage gestellt wurde. Hingegen wäre es notwendig, mit wesentlich präziseren Begriffen zu arbeiten, um strukturelle Ausschlüsse wie Rassismus, Klassismus und Ableismus und ihre Wirkungen als “Gap”-Erzeuger zu analysieren und Methoden und Strategien zu ihrer Überwindung zu konzipieren.

Wir, ein Bündnis von Kulturpraktiker*innen und Wissenschaftler*innen, haben mit der Aktion “Mind the Trap” bei der erwähnten Tagung interveniert, um auf die Problematiken des Tagungskonzepts und -inhalts hinzuweisen. Wir, das ist ein Zusammenschluss kritischer Kulturschaffender und Wissenschaftler*innen, die zumeist an der Schnittstelle von Theorie und Praxis arbeiten. Wir beziehen uns auf Ansätze, die diese – in Deutschland leider noch gesetzte – Dichotomie zusammendenken, Ansätze wie postkoloniale und queer-feministische Theorien, deren Ursprünge in Widerstandsbewegungen fußen, aber auch die britischen Cultural Studies, die bereits vor langer Zeit die Unterteilung in “Hoch-” und “Unterhaltungskultur” als hinfällig entlarvten. In diesem Sinne verstehen wir Kultureinrichtungen auch nicht als soziales Vakuum, in dem strukturelle Gefälle bereits aus den Angeln gehoben wurden, sondern in denen im Gegenteil ein Fort- und Festschreiben von Ausschlüssen und damit Diskriminierung entlang gesellschaftlicher Normative stattfindet. Für uns kann sich eine nachhaltige Kritik und Veränderung nur formulieren, wenn sie aus der Perspektive derjenigen betrachtet wird, die von den Ausschlüssen betroffen sind. Nur dann ist es möglich, diese Mechanismen zu benennen und zu modifizieren.

Nachhilfe für die deutsche Kulturnation

Wir haben bei der Tagung “Mind the Gap” kritisiert, dass kein*e einzige*r Wissenschaftler*in, Kulturpraktiker*in oder Expert*in eingeladen war, die*der sich mit Ausschlüssen und Marginalisierungen aus eben dieser Perspektive kritisch auseinandersetzt. Wir haben kritisiert, dass die Defizite bei den “Bevölkerungsgruppen” gesucht werden, anstatt jene Strukturen in Gesellschaft und Institutionen zu analysieren, die Ausschlüsse produzieren. Und wir haben kritisiert, dass die Tagung tatsächlich nur für ein Publikum konzipiert war, das von der Tagungsleitung als “Fachpublikum” bezeichnet wurde, aber in Wahrheit eben von den genannten Ausschlüssen und Marginalisierungen gar nicht betroffen ist.

Letztlich ging es, zugespitzt formuliert, um die Vergewisserung der eigenen Position, die so lange gegeben ist, wie die eigenen Parameter nicht infrage gestellt werden. Übrigens hat die Tagungsleitung mehrmals mit entlarvenden Stellungnahmen auf die geäußerte Kritik reagiert, die eine weitgehende Unkenntnis über die Wirkungsweisen kultureller Ausschlüsse erkennen ließ, und sich bisweilen rassistischer Formulierungen bedient. Diese – leider sehr typischen – Abwehrreaktionen deuten auf die Unmöglichkeit einer kritischen Reflexion auch in festgefahrenen universitären Strukturen der deutschen Kulturwissenschaft hin, die vom internationalen kritischen Kulturdiskurs weit entfernt sind.
Die Welle der Solidarität war wie bereits erwähnt groß. Vielen Menschen im deutschsprachigen Raum und über diesen hinaus haben sich das Video der Intervention [siehe obigen YouTube-Clip] angeschaut. Sie haben sich per E-Mail und Facebook bei uns gemeldet und sogar ihr Interesse an einer aktiven Teilnahme bekundet. Die Intervention hat einen Nerv getroffen, der von vielen anderen Kulturschaffenden und Wissenschaftler*innen geteilt wird.

Allianzen für Alternativen

Wir haben lange diskutiert, wie wir weiter agieren wollen und dabei beschlossen, als kleine Gruppe zunächst die Eckpfeiler unserer Arbeit festzulegen, bevor wir das Bündnis kritischer Kulturpraktiker*innen für die vielen Interessierten öffnen. Derzeit sind wir dabei, ein Manifest aufzusetzen, in dem wir uns zu den herrschenden Strukturen positionieren.
Eines der wichtigsten Momente der Öffnung wird die alternative Fachtagung sein, bei der wir Exklusionsmechanismen in seinen vielschichtigen Formen sichtbar machen möchten. Hinsichtlich unseres intersektionalen Verständnisses stellen wir jedoch fest, dass uns Expertisen fehlen. Fehlende Expertise etwa, um über Barrieren für Menschen mit verschiedenen körperlichen und geistigen Fähigkeiten zu sprechen. Wir stehen jetzt vor der Herausforderung, jene Positionen einzubeziehen.

Wie lässt sich eine solche Zusammenarbeit gestalten? Wie eine gemeinsame Tagung denken? Wir wollen keinesfalls jene Perspektiven bloß nachträglich integrieren, sondern von Anfang an eine nachhaltige, strukturelle Veränderung ermöglichen. Diese kann nur erfolgreich sein, wenn es uns gelingt, so viele unterschiedliche Perspektiven wie möglich aktiv miteinzubeziehen, um die vielfachen Ausschlussformen erfassen und benennen zu können. Barrierefreiheit auf inhaltlicher und struktureller Ebene ist dann möglich, wenn eine gleichberechtigte Zusammenarbeit von unterschiedlichen Selbstorganisationen passiert. Der nächste Schritt für uns ist folglich, Allianzen mit Gruppen einzugehen, die von Diskriminierungsformen betroffen sind, die für uns aufgrund unserer eigenen Privilegien nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind.

Bis die alternative Fachtagung stattfinden kann, bleibt noch viel zu tun und zu lernen – und auch sie wird nur der erste von vielen Schritten sein, die auf dem Weg zu einer Überwindung von Diskriminierung in der Kunst- und Kulturszene zu gehen sind. Doch auf dem Weg dorthin lassen wir uns weiter von Menschen wie Napuli Paul Lange, einem der Geflüchteten-Aktivist*innen vom Oranienplatz, inspirieren: “Yes, I could be deported any moment and be sent back to Sudan. But I am an activist and will not give up.”